Vom 24. bis 26. Oktober fand in der europäischen Kulturhauptstadt 2025 Chemnitz ein bedeutendes internationales Expertentreffen zur Obstsortenvielfalt und Streuobstkultur statt. Organisiert vom Pomologen-Verein e. V., der Stadt Chemnitz und dem Museum für Naturkunde Chemnitz, stand die Veranstaltung ganz im Zeichen des Wissensaustauschs rund um den Erhalt alter Obstsorten, nachhaltigen Obstbau und die Zukunft der Streuobstwiesen.
Auch die Moststraße war bei dieser hochkarätigen Fachtagung vertreten: Hannes Schoberberger und Mathias Weis nahmen an dem dreitägigen Austausch teil und brachten wertvolle Erkenntnisse, internationale Kontakte und zahlreiche neue Impulse für die Arbeit im Mostviertel mit.

Austausch auf höchstem fachlichem Niveau
Das Treffen bot eine beeindruckende Vielfalt an Themen – von genetischer Sortenbestimmung über die Herausforderungen des Klimawandels im Obstbau bis hin zu aktuellen Projekten zur Wiederbelebung alter Sortenbestände. Ein besonderer Fokus lag auf der Sortenvielfalt in Europa und den historischen Wegen, über die sich Obstsorten verbreiteten. Dabei wurde deutlich, welch entscheidende Rolle Klöster – insbesondere die Benediktiner – bei der Kultivierung, Bewahrung und Verbreitung vieler Obstsorten spielten.
Neben der wissenschaftlichen Perspektive kam auch der Aspekt der Vermittlung und Bildung nicht zu kurz: Die Arbeit von Streuobstbotschafter:innen, die sich in vielen Regionen Europas für Umweltbildung, Sortenkenntnis und Bewusstseinsbildung einsetzen, wurde als zentraler Bestandteil einer lebendigen Streuobstkultur hervorgehoben.
Fachleute aus Deutschland, Österreich, Tschechien, Ungarn, Rumänien und weiteren europäischen Ländern berichteten über ihre Arbeit, stellten Projekte vor und diskutierten Strategien, wie die Sortenvielfalt langfristig erhalten und gleichzeitig wirtschaftlich genutzt werden kann.
In den Vorträgen und Diskussionsrunden wurde deutlich, dass traditionelle Obstsorten nicht nur ein Kulturerbe sind, sondern auch ein Schlüssel für die Zukunft des Obstbaus. Ihre Anpassungsfähigkeit an lokale Bedingungen, ihre Robustheit und ihr Beitrag zur Biodiversität machen sie zu einem zentralen Baustein für die nachhaltige Entwicklung ländlicher Regionen.

Das Mostviertel als Teil einer europäischen Bewegung
„Es war beeindruckend zu sehen, wie viele engagierte Menschen europaweit an denselben Themen arbeiten wie wir und mit welcher Leidenschaft sie sich für den Erhalt alter Sorten einsetzen“, erzählt Hannes Schoberberger.
Der Austausch mit Vertreter:innen anderer Regionen habe gezeigt, dass viele Herausforderungen ähnlich sind – etwa bei der Pflege alter Bestände, der Nachzucht seltener Sorten oder der Frage, wie man das Wissen darüber an die nächste Generation weitergeben kann.
Mathias Weis ergänzt:
„Besonders spannend war der Einblick in aktuelle Forschungsarbeiten zur genetischen Vielfalt alter Obstsorten. Moderne Methoden der Genbestimmung helfen heute dabei, Sorten eindeutig zu identifizieren und verwandtschaftliche Beziehungen sichtbar zu machen. Dieses Wissen ist enorm wertvoll, um die Vielfalt gezielt zu erhalten und für zukünftige Züchtungen zu nutzen.“
Neben den Fachvorträgen bot die Tagung zahlreiche Möglichkeiten für persönliche Gespräche und den Aufbau neuer Netzwerke. Dabei wurden auch Kontakte zu europäischen Initiativen geknüpft, die sich mit der Vermarktung regionaler Obstprodukte, der Bildungsarbeit in Schulen und der touristischen Vermittlung von Streuobstlandschaften beschäftigen – Themen, die auch an der Moststraße eine zentrale Rolle spielen.

Praktische Erkenntnisse
Die Beiträge der Tagung zeigten deutlich, dass sich wissenschaftliche Forschung und praktische Erfahrung ergänzen müssen, um den Streuobstbau zukunftsfähig zu gestalten. Erkenntnisse aus der Genetik und Sortenprüfung sind ebenso wichtig wie die alltägliche Pflege in den Obstgärten und das Wissen erfahrener Pomolog:innen, Landwirt:innen und Streuobstbotschafter:innen.
Impulse für die Region
Für die Moststraße war die Teilnahme weit mehr als ein Blick über den Tellerrand: Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in laufende Projekte ein – etwa in Initiativen zur Erhaltung alter Mostbirnensorten, in Baumschnitt- und Pflegeprogramme oder in die Weiterentwicklung der regionalen Bildungs- und Vermittlungsarbeit.
Zudem war der Besuch in Chemnitz ein wichtiger Schritt in Vorbereitung auf die Internationale Tagung zur Sortenvielfalt 2026, die im kommenden Jahr im Mostviertel stattfinden wird.
„Wir konnten viele Ideen und Anregungen mitnehmen, die wir nun in die Planung der Tagung 2026 einfließen lassen werden. Chemnitz hat gezeigt, wie inspirierend der internationale Austausch ist – und wir möchten diese Energie ins Mostviertel bringen.“
Nachhaltigkeit als gemeinsamer Nenner
Das Engagement für die Erhaltung der Obstsortenvielfalt fügt sich nahtlos in internationale Strategien und Ziele ein: Es steht im Einklang mit den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) – insbesondere mit den Zielen zu Nachhaltigem Konsum und Produktion (SDG 12), Leben an Land (SDG 15) und Maßnahmen zum Klimaschutz (SDG 13).
Auch der Europäische Green Deal betont die Bedeutung von Biodiversität, nachhaltiger Landwirtschaft und resilienten Ökosystemen. Die Arbeit der Moststraße und ihrer Partner trägt dazu bei, diese europäischen und globalen Nachhaltigkeitsziele konkret in der Region umzusetzen – durch Bewusstseinsbildung, regionale Wertschöpfung und den Schutz der Streuobstkulturlandschaft.
Ausblick
Die internationale Zusammenarbeit gewinnt für die Arbeit der Moststraße zunehmend an Bedeutung. Sie ermöglicht nicht nur den Austausch von Wissen, sondern auch gemeinsame Projekte, die über Landesgrenzen hinauswirken.
Die Teilnahme am Expertentreffen in Chemnitz hat gezeigt: Die Themen Sortenvielfalt, Klimaanpassung, Bildung und nachhaltige Obstkultur sind aktueller denn je und das Mostviertel ist als aktive, lebendige Streuobstregion Teil dieser europäischen Bewegung.
Im kommenden Jahr, wenn die internationale Fachwelt im Rahmen der Pomologentagung 2026 zu Gast im Mostviertel ist, wird sich zeigen, wie viele dieser Impulse bereits Wirkung entfaltet haben und welche neuen Kooperationen daraus entstehen können.





